Stressreport 2012

Ergebnisse des Stressreports 2012:

Die Ergebnisse des Stressreports Deutschland basieren auf der sechsten Welle der BIBB  (Bundeinstitut für Berufsbildung) / BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) Erwerbstätigenbefragung, einer Datenerhebung, die seit 1979 regelmäßig und seit 1998/99 mit Beteiligung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin durchgeführt wird. Für den Stressreport wurden bundesweit mehr als 18.000 Arbeitnehmer zu ihren Belastungen und Stressfolgen am Arbeitsplatz befragt.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am 29.01.2013 in Berlin:

„Psychische Erkrankungen sind eines der drängendsten Probleme in der Arbeitswelt und kosten Unternehmen und Sozialversicherungen Milliarden. Allein 2011 gab es 59 Millionen Krankentage wegen psychischer Belastung am Arbeitsplatz. Leider machen sich noch viel zu wenige Betriebe Gedanken, wie sie ihre Belegschaft vor Stress und Burnout schützen können.

Dass es nicht am guten Willen mangelt, zeigt die Tatsache, dass die deutschen Unternehmen spitze sind, wenn es um den Schutz vor körperliche Gefahren geht. Jetzt ist es höchste Zeit, dass wir auch bei den psychischen Belastungen voran kommen. Es ist positiv, dass alle Beteiligten die Brisanz des Themas erkannt haben. Wir haben uns ein 5-Jahres-Ziel gesteckt, das wollen wir erreichen.“

Daten und Fakten zur psychischen Gesundheit

  • 2011 wurden bundesweit 59,2 Mio. Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen registriert.
  • Das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent in den letzten 15 Jahren.
  • Es führt zu einem Ausfall an Bruttowertschöpfung von 10,3 Mrd. Euro und Produktionsausfallkosten in Höhe von 5,9 Mrd. Euro.
  • 41 Prozent aller Neuzugänge zur Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit waren auf psychische Störungen zurückzuführen.
  • Psychische Belastungen sind damit inzwischen Ursache Nummer eins für Frühverrentungen. Das Durchschnittsalter lag bei 48,3 Jahren. 
  • 2006 wurden knapp 27 Mrd. Euro für die Behandlung psychischer Erkrankungen ausgegeben. Das waren 3,3 Mrd. Euro mehr als noch 2002.

"Stressreport Deutschland 2012"

Der Stressreport wertet Befragungen von rund 18.000 Erwerbstätigen differenziert nach Alter, Geschlecht, Arbeitszeitumfang, Position, Wirtschaftszweigen und Berufen aus.

Kritische Aspekte

  • 43 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind überzeugt, dass die Belastungen im Job (Arbeitsstress ) in den vergangenen zwei Jahren zugenommen haben
  • knapp 60 Prozent der Befragten belastet es, verschiedene Aufgaben gleichzeitig betreuen zu müssen (Multitasking - das gleichzeitig "Sich-Kümmern-Müssen" um mehrere Aufgaben)
  • jeder zweite Befragte (52 Prozent) arbeitet unter starkem Termin- und Leistungsdruck
  • fast jeder Zweite (44 Prozent) wird bei der Arbeit ständig durch Störungen wie Telefonate und E-Mails unterbrochen
  • weil für 47 Prozent der Beschäftigten Ruhepausen nicht in den Arbeitsablauf passen oder sie nach eigenem Bekunden
  • zu viel Arbeit haben (38 Prozent)
  • lässt jeder Vierte (26 Prozent) die Pause ausfallen
  • 19 Prozent der deutschen Arbeitnehmer fühlen sich bzgl. der quantitativen (mengenmäßigen) Anforderungen überfordert
  • mehr als ein Achtel (13 Prozent) fühlen sich fachlich unterfordert
  • für 35 Prozent ist die Arbeitswoche länger als 40 Stunden, für 13 Prozent sogar länger als 48 Stunden
  • 64 Prozent arbeiten auch samstags, 38 Prozent arbeiten an Sonn- und Feiertagen
  • 40 Prozent der Befragten können arbeitsbedingt nur selten oder nie Rücksicht auf familiäre oder private Interessen nehmen
  • Termin- und Leistungsdruck tritt in Deutschland häufiger auf als im Durchschnitt der 27 EU-Länder

Zentrale Belastungsfaktoren sind:

  • verschiedene Arbeiten gleichzeitig betreuen / Multitasking
  • starker Termin- und Leistungsdruck
  • ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge
  • Arbeitsunterbrechungen
  • sehr schnell arbeiten müssen

WeitereErgebnisse:

  • Die Belastung durch „starken Termin- und Leistungsdruck“, „sehr schnell arbeiten müssen“ und „detailliert vorgeschriebene Arbeitsdurchführung“ hat extrem zugenommen.
  • Ein Drittel der Befragten lässt Pausen wegen zu viel Arbeit ausfallen.
  • Gesundheitliche Beschwerden durch psychische Belastungen (langfristige Beanspruchungs- und Stressfolgen) nehmen zu.
  • Dazu gehören Beschwerden in Schulter, Nacken, Rücken etc. genauso wie psychovegetative (Müdigkeit, Mattigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen etc.).
  • Knapp 17 Prozent der Beschäftigten fühlten sich häufig während der Arbeit sowohl körperlich als auch emotional erschöpft.

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